Der kleine Ranzendoktor - Rckenpolsterung und Gurte auswechseln

Das typische Problem der Uralt- Modelle liegt nicht etwa in schlechter Verarbeitung oder miesem Umgang mit dem Ranzen, sondern ist chemisch bedingt. In den 70er und frhen 80er Jahren wurden Schaumstoff- Rckenpolsterungen eingesetzt, die altersbedingt jetzt vllig zerfallen und sich auflsen. Dies tritt bei Polsterungen nach etwa 1984 nicht mehr auf, was vielleicht an der eingesetzten Schaumstoffsorte liegt.

Auf dem folgenden Bild sieht man zwei Scouts der frhen 80er. Der blaue Ranzen wurde bereits neu aufgepolstert und die Gurte erneuert, der Rechte, rote Ranzen noch nicht. Dort fllt die platte, nicht mehr vorhandene Polsterung ins Auge. Das Kunststoffprofil der Rckenplatte ist deutlich zu erkennen.
Betrachten wir einmal die Wiederherstellung des blauen Ranzens, dem die Polsterung ebenfalls fehlte (rechtes Bild):



Um an die kaputte Polsterung heranzukommen, muss zunchst der Kunststoffdeckel im Knickbereich vorsichtig mit dem Teppichmesser oder hnlichem aufgeschnitten werden. Hierbei ganz vorsichtig sein und nicht das Nylongewebe darunter beschdigen, sonst gibts Trnen ! Manchmal ist dieser vorgestanzte Knickbereich durch intensive Nutzung ohnehin bereits abgerissen. Ein intakter Knickbereich ist spter fr die stabilitt auch nicht erforderlich. Der mit dem Teppichmesser aufgeschnittene Knickbereich kann einige scharfe Grate haben und mu mit Feile o.. entgratet werden.

Dann mssen die Vernietungen der Gurtaufhngung ausgebohrt werden. Um die glatten Nietenkpfe frs Bohren anzukrnen, mu der Niet auf jeden Fall stabil untersttzt werden, damit durch den Hammerschlag nicht der Kompaktkern bricht. (Bild 2):



Der Nietkopf kann dann mit Hammer und Krner angekrnt werden. Anschlieend wird der Niet ausgebohrt. (Bohrtiefe nicht mehr als 3 mm ntig). Der Nietkopf fllt dann ab.



Die Gurtaufhngung kann, wenn alle 4 Nietkpfe runter sind, vorsichtig mit einem breiten Schraubenzieher, abgehoben werden. Die durchgehenden Nietverbindungen stecken aber noch immer im Kunststoffkern. Dieser wird von innen, direkt NEBEN dem Nietloch, wie zuvor beim Krnen erneut untersttzt und der Nietrest mit dem Krner oder Durchschlger etwa 5 mm nach innen geschlagen. (Bild 2):



Mit der Kneif oder Rabitzzange kann der Niet dann leicht herausgezogen werden (Bild 1)
Auf dem Bild 2 offenbart sich dann die zerbrselte Schaumstoff- Polsterung. Das meist nach unten gerutschte Gebrsel ist suberlich zu entfernen.
Sollen die Gurte gleich mit gewechselt werden, ist bei den doppelten unteren Gurt- Einnietungen wie bei der Gurtaufhngung auch zu verfahren.



Vorausgesetzt, es sollen die Gurte mitgewechselt werden (bei Uralt- Modellen ist manchmal die Filzstreifen- Beschichtung der Gurte brchig), werden diese und die Ersatzpolsterung dem zum Ausschlachten bereitgestellten anderem Ranzen entnommen. Zum besseren Ankrnen und Bohren sollte die Aufhngung sant der unteren Gurtbefestigungen, etwa mit einer Blechschere aus dem Ranzen geschnitten werden. Die Kunststoffteile mssen zum Bohren unbedingt eingespannt und fest fixiert sein. Die Gurte mssen ebenfalls fixiert sein um zu vermeiden, das diese sich im ungnstigsten Fall um den Bohrer wickeln.



Bild 1 zeigt das Entnehmen der Polsterung aus dem Spenderranzen Bild 2 zeigt die erhaltene Gurtaufhngung. Diese oder die alte mu nun wieder am Ranzen befestigt werden. Wer ber keine Nietzange verfgt, mu Schrauben, ( M5 mit halbrundkopf) Unterlegscheiben und Muttern verwenden. Die gewlbten Kpfe der verzinkten Schrauben entsprechen dann im Durchmesser und Aussehen genau den alten Nieten. Zu lange Schraubgewinde mssen passgenau gekrzt und entgratet werden, damit im Ranzeninnern nichts bersteht.



Fr die Schrauben- Variante sind die Bohrungen in der Gurtaufhngung zu erweitern, entweder durch Aufbohren oder Aufreiben:



Die neue Rckenpolsterung wird zugeschnitten (Aussparungen nur bei Schraub- Variante ntig) und eingepasst. Dabei auf symetrische Randabstnde achten!



Die nchsten beiden Bilder zeigen nochmal das Aufreiben oder Aufbohren der Gurtaufhngung um die neuen Schrauben aufnehmen zu knnen. Auch die Lcher im Kompaktkern selbst mssen etwas erweitert werden.



Jetzt werden Aufhngung und Gurte wieder zusammengefgt und verschraubt. Im Kompaktkern sind Unterlegscheiben unterzulegen. Sind die Halbrundkopf- Schrauben zu lang, mssen diese vorher gekrzt werden.



Im Resultat hat der scout jetzt wieder eine intakte Polsterung und ggf. auch neue Gurte.




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