Der kleine Ranzendoktor - Schimmel und Verspakungen beseitigen

Über längere Zeit im feuchten Keller oder auf dem Dachboden gelagerte Schulranzen verschimmeln manchmal. Meist ist das Nylongewebe betroffen. Bei den verspakungen handelt es sich um einen Pilz, der sowohl oberflächlich sichtbar ist, aber auch immer das Material in der Tiefe befällt. Typischer Schimmelbefall etwa mit aspergillus niger oder penicillum echinulatum äußert sich in flächigen weißen oder schwarzen Schimmelrasenkolonien mit farblichen Abstufungen auch ins braune. Der typisch muffige Geruch wird durch Stoffwechselprodukte des Pilzes erzeugt.

Generell sollte Schimmel, egal wo er auftritt immer fachgerecht und nachhaltig beseitigt werden. Schimmel vermehrt sich durch das Ausschleudern mikroskopisch kleiner Sporen, die mit den Luftströmungen verwirbeln. Treffen sie auf ein anhaltend feuchtes Millieu, bilden sie Wurzeln, das sogenannte Myzel aus, das sich im Material ausbreitet. Als nächste Stufe entwickeln sich die verästelungen an der Materialoberfläche, die Hyphen. Irgendwann bilden sich an den Hyphenenden Konidienträger, die neue Sporen bilden und zur weiteren Vermehrung ausschleudern. Hyphen und Konidienträger sind die flaumartig sichtbaren Teile der Schimmelaufwüchse.

An der Entwicklungsart des Schimmels sieht man, das sich aus einem kleinen Schimmelproblem, wenn es nicht sofort bekämpft wird, mehrere Problembereiche entwickeln können. Sporen setzen sich dann auch gern an Wandoberflächen ab, bevorzugt im Bereich konstruktiver Wärmebrücken, wobei aus physikalischen Gründen, Luftfeuchte immer an den kältesten Wandpartien kondensiert und dort ideale Lebensbedingungen für Schimmelwachstum schafft.

Schimmel ernährt sich immer aus der Umwandlung des befallenen Materials in Nährstoffe. Deshalb werden bevorzugt organische Stoffe befallen, in feuchten Kellern sind dies Textilien, sehr gern Leder, Kartonagen usw. Gern werden mit Dispersionsfarben gestrichene Rauhfasertapeten besiedelt, die aufgeflockten Holzspäne, die die Rauhfaserstruktur erzeugen, bilden zusammen mit dem als Quellmittel in Dispersionsfarben eingesetzten Zucker und Lignin ideale Lebensbedingungen für den Schimmel.

Ich habe schon mehrere verschimmelte Schulranzen gesehen, die ungünstig gelagert wurden. Hier fragt man sich: wovon ernährt sich der Pilz da eigentlich ? Das anorganische Nylongewebe kann er doch gar nicht verarbeiten. Ähnlich liegt der Fall bei verspakten Polystyrol- Prägetapeten, von denen wird ein Pilz ja eigentlich auch nicht satt. Die Antwort ist, das sich Schimmel von geringsten organischen Substanzen ernähren kann, hierzu reichen Blütenpollen, Staub, Hautschuppen und Milbenkot im oder auf dem Nylongewebe. Ist der Schimmel erstmal präsent, bindet die veränderte Oberfläche mehr Staub und mikroskopische organische Teilchen, die mit der Luft verwirbeln. Hieran sieht man: Schimmelpilze sind wirklich komlexe Lebensformen, die mit wenig Nährstoffangebot auskommen.

Bekämpfung:

Immer wieder lese ich im Internet, man könne Schimmel einfach mit warmen Wasser wegwischen. Das klappt leider nicht. Was vorübergehend abgewischt wird, sind die Hyphen. Das im Material verwurzelte Myzel bleibt erhalten und wächst weiter.
Schimmelbefall kann ausschließlich mit chemischen Mitteln beseitigt werden. Drogerien und Baumärkte bieten hierzu verschiedene Präparate an. Im Falle des Schulranzens mit einer farbigen Oberfläche rate ich von chlorhaltigen Präparaten ab. Der unterschiedlich hohe Chlorgehalt wirkt stark bleichend und kann Farben verändern. Es können chlorfreie Produkte oder reiner, medizinischer Alkohol zur Abtötung verwendet werden. Hiermit den Schulranzen einsprühen, etwas wirken lassen, und dann mit feuchtem Lappen den Schimmelrasen oberflächlich entfernen. Dannach noch 2x einsprühen, mindestens 1 Stunde wirken lassen und mit feuchtem Tuch sauberwischen, damit die chemierückstände entfernt werden.

Wandbereiche und Tapeten, die nach Entfernung des Schimmelaufwuchses sowieso neu gestrichen werden, können mit chlorhaltigen Präparaten bekämpft werden, als geeignet zur wirksamen Abtötung hat sich auch eine Mischung aus 70% reinem Alkohol und 30% Wasserstoffperoxyd erwiesen. Das Wasserstoffperoxyd bricht die natürliche Schutzschicht des Pilzes auf und läßt den Alkohol als Schimmelvernichter wirken. Hierbei aber beachten: Wasserstoffperoxyd ist ebenfalls ein starkes Bleichmittel und Alkohol ist brennbar, dabei also nicht rauchen !



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